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Erstes Pfadfinderlager
Das erste Pfadfinderlager

Bevor BiPi zur Feder griff um ein weiteres Pfadfinderbuch zu schreiben, wollte er persönliche Erfahrungen sammeln. Zu diesem Zweck trommelte er im Jahre 1907 insgesamt 22 Jungen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten zusammen: Die Söhne von adeligen Kavallerieoffizieren und von Pferdepflegern, von Millionären und einfachen Arbeitern.
Mit diesen zweiundzwanzig Jungen ruderte er vom Hafen der englischen Stadt Poole hinüber auf Brownsea Island, eine kleine zur Grafschaft Dorset gehörende Insel. Dort schlug er seine Zelte auf. Die alte Fahne von Mafeking, nach sieben Jahren schon historisch geworden, hatte er vorher aus dem Militärmuseum geholt. Nun flatterte sie am Fahnenmast inmitten des Zeltplatzes.
Wenn man liest, was Baden-Powell über das Lager auf Brownsea Island später schrieb, stellt man fest, dass es sich in nichts von den Pfadfinderlagern unserer heutigen Zeit unterschied.

"Der Stamm der Jungen", so berichtete Baden-Powell, wurde aufgeteilt in Fähnlein zu fünf Mann. Der Älteste wurde Kornett. Diese Einteilung in kleine Gruppen war das Geheimnis unseres Erfolges. Jedem Kornett wurde volle Verantwortung für das Verhalten seiner Leute übertragen, und zwar für die ganze Zeit des Lagers. Das Fähnlein war eine Einheit für Ausbildung, Arbeit und Spiel.
Die Jungen wurden bei ihrer Ehre verpflichtet, die angeordneten Dinge auch auszuführen. Verantwortlichkeit und gesunde Ausbildung erfolgte jeden Tag für den ganzen Stamm, und so wurde der gesamte Stamm fortschreitend in den Dingen des Pfadfindertums geübt.
Auf das Gehorsamsprinzip konnte und wollte er dabei nicht verzichten. Er legte aber Wert darauf, dass die Jungen ihm freiwillig folgten, ohne Zwang und ohne Strafe, nur auf Grund seiner Überzeugungskraft, seines guten Beispiels und seiner Persönlichkeit. So sollte es auch später bleiben, bei anderen Pfadfinderführern, auch wenn sie nicht den Nimbus des legendär gewordenen Generals haben konnten. Die Berühmtheit, die Baden-Powell im Krieg und als Vertreter des klassenbewussten Offiziersstandes erworben hatte, war seiner friedlichen Idee einer klassenlosen Jugenderziehung förderlich. In ganz England sprach sich herum, dass der "Held von Mafeking" ein Jugendlager veranstaltet hatte, in dem kein erzieherischer Zwang ausgeübt worden war.